Dosierung von niedermolekularem Heparin zur Thromboseprophylaxe bei Adipositas permagna

Anfrage

Welche Dosierung eines niedermolekularen Heparins (LMWH: Low-molecular-weight heparin) ist bei PatientInnen mit Adipositas permagna zur perioperativen Thromboseprophylaxe wirksam und sicher?

Ergebnisse

Studien
Wir fanden zwei systematische Übersichtsarbeiten, die untersuchten, wie häufig Blutungen und Thrombosen bei PatientInnen mit Adipositas permagna auftraten, die eine perioperative Thrombose-propylaxe mit LMWH
erhalten hatten. In den Übersichtsarbeiten wurden zwei randomisiert kontrollierte Studien und eine retrospektive Kohortenstudie ausgewertet, die unterschiedliche Dosen von LMWH miteinander
verglichen. Diese drei Studien haben wir für die Beantwortung der Fragestellung herangezogen. Alle PatientInnen erhielten einen bariatrischen Eingriff.

Resultate
Enoxaparin:
Eine retrospektive Kohortenstudie mit 481 PatientInnen verglich die Gabe von 30 mg Enoxaparin mit 40 mg Enoxaparin.

  • Es zeigte sich während sechs Monaten, dass eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT) oder eine Lungenembolie unter Enoxaparin 30 mg öfter auftrat als unter 40 mg Enoxaparin  vs. 0,5 Prozent; RR [Relatives Risiko]: 10,57; 95% KI [Konfidenzintervall]: 2,08–53,63.
  • In beiden Gruppen trat je eine schwere Blutung auf.

 

Nadroparin:
Ein RCT schloss 60 PatientInnen ein und verglich eine Standarddosis Nadroparin (0,6 ml oder 5700 IU [International Units]) mit 1 ml Nadroparin (9500 IU).

  • Während sechs Monaten wurde keine Thrombose beobachtet.
  • In der Gruppe mit der höheren LMWH-Dosis traten zwei schwere Blutungen auf, in der Gruppe mit der niedrigeren Dosis gab es keine schwere Blutung.

 

Parnaparin:
Die beste Evidenz stammt aus einem RCT mit 250 PatientInnen, in dem unterschiedliche Dosen von Parnaparin subkutan untersucht wurden. Ein Teil der PatientInnen erhielt eine Standarddosis von 4250 IU Parnaparin pro Tag, der andere Teil eine Dosis von 6400 IU pro Tag. Die Studie dauerte drei Monate.

  •  In der Gruppe mit der Standarddosis erlitt eine Person eine nicht tödliche Lungenembolie, eine zweite Person eine asymptomatische distale tiefe Beinvenenthrombose (1,5 Prozent: 2 von 131). In der Gruppe mit der höheren Dosis kam es zu einer symptomatischen proximalen Beinvenenthrombose (0,8 Prozent: 1 von 119; RR: 1,82; 95% KI: 0,17–19,78). Auch schwere oder klinisch relevante Blutungen waren in beiden Gruppen ähnlich häufig: 6 Prozent (8 von 131) vs. 5 Prozent (6 von 119).
Stärke der Evidenz
1 von 3 = Niedrig
  • Thrombosen traten bei PatientInnen, die Enoxaparin 30 mg erhalten hatten, häufiger auf als mit
    Enoxaparin 40 mg. Die Stärke der Evidenz dafür ist niedrig. Das Blutungsrisiko war bei beiden
    Dosierungen ähnlich. Die Stärke der Evidenz dafür ist unzureichend.
  • Blutungen traten vereinzelt in der Gruppe mit der höheren Nadroparin-Dosis (1 ml Nadroparin [9500
    IU]) auf, während bei 0,6 ml Nadroparin (5700 IU) keine Blutung auftrat. In keiner der beiden
    Gruppen kam es zu einer Thrombose. Die Zahl der Personen, die an der Studie teilnahmen, war
    gering. Die Stärke der Evidenz für diese Ergebnisse ist niedrig.
  • Personen mit einer Standarddosis von 4250 IU Parnaparin erlitten ähnlich häufig Thrombosen und
    Blutungen wie die Gruppe mit Parnaparin 6400 IU/Tag. Die Zahl der Ereignisse war zu gering, um
    einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Dosierungen festzustellen. Die
    Stärke der Evidenz ist deshalb niedrig.
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